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Interview mit dem neuen Trainer

Sie kickten seit der D-Jugend bis auf ein Jahr in Bonlanden immer bei Normannia Gmünd, stiegen dort 2014 auch als Chefcoach ein. Sie müssen auf dem Weg zum Trainingsauftakt am Mittwoch statt in die Etzwiesen doch automatisch in den Schwerzer gefahren sein?

(lacht) Nein, das habe ich hingekriegt – mittlerweile ist das Etzwiesenstadion im Navi in meiner Favoritenliste, daher ging das wirklich gut. Im Ernst: Ich war ja in den vergangenen Wochen immer wieder hier, wenn es um die Planungen ging. Wir haben uns auch am Dienstagabend mit dem Trainerteam zur Abschlussbesprechung vor der Vorbereitung getroffen.

Sie waren in Freiburg beim Aufstieg vor Ort. Zwischen diesem Festtag für die TSG und dem Trainingsstart lagen nur zweieinhalb Wochen. Können die Spieler schon wieder nach vorne blicken und die Konzentration hochfahren?

Wir dürfen die körperliche Seite nicht vergessen, müssen alles so dosieren, dass wir alle Spieler bis zum Saisonstart am 12. August auf einen Stand bekommen. Da achten wir sehr darauf, wir kennen die Spielzeiten der Vorsaison. Vielleicht nehmen wir die Jungs, die wirklich nur gut zwei Wochen Pause hatten, immer wieder etwas raus. Aber es wäre schlimmer gewesen, nach einem Misserfolg so schnell wieder anzufangen. So einen Erfolg im Rücken zu haben, setzt mit der Euphorie noch einmal ein paar Prozente frei. Die Jungs haben sich die Oberliga absolut verdient, deshalb sehe ich in der kurzen Pause keine großen Probleme.

Was erwarten Sie unter diesen Umständen vom ersten Testspiel in Kornwestheim?

Ich freue mich extrem darauf. Ich will sehen, wie es mit den Zugängen auf Anhieb funktioniert. Im Training sah es wirklich schon sehr gut aus. Ich habe das Gefühl, dass sich alle Neuen, auch ich, sehr wohlfühlen. Wir wurden sehr gut aufgenommen, aber so ein Testspiel ist noch einmal etwas anderes. Taktische Details sind natürlich noch nicht zu erwarten, aber die Spielfreude und Laufbereitschaft sollten da sein. Wir sind am Anfang der Vorbereitung, jeder muss sich anbieten wollen. Unter einem neuen Trainer haben alle Spieler die Chance, sich zu zeigen.

Hand aufs Herz: Wäre es Ihnen nicht lieber gewesen, einen ambitionierten Verbandsligisten zu übernehmen statt in der Oberliga gegen den Abstieg kämpfen zu müssen?

Ich habe mir die Frage auf dem Weg nach Freiburg gestellt. Bis dahin habe ich stets gesagt: Ob Verbands- oder Oberliga, die Vorfreude auf diese Aufgabe in Backnang ist definitiv da. Aber was wäre mir lieber? Rasch war klar: Es ist die Oberliga, sie ist besonders reizvoll. Ich habe es als Spieler acht Jahre erlebt, aber als Trainer ist es wie für viele meiner Jungs auch für mich Neuland. Dass wir von Anfang an gegen den Abstieg spielen, ist allen bewusst, wir müssen immer an unsere Grenzen gehen, das ist gut so. In der Verbandsliga wären wir immer in die Favoritenrolle gedrängt worden, jeder Gegner wäre bei 100 Prozent gewesen. So besteht die Chance, dass uns die Gegner vielleicht unterschätzen, uns nicht wirklich ernst nehmen. Für viele sind wir der Absteiger Nummer eins. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Aus dieser Position kann man sehr viel machen.

Ihr Vorgänger Markus Lang stieg mit der TSG in vier Jahren zweimal auf, sie treten in große Fußstapfen. Sehen Sie darin ein Problem?

Nein. Ich habe mir nicht vorgenommen, in den kommenden vier Jahren zweimal aufzusteigen (lacht). Auch wenn die TSG nicht aufgestiegen wäre, hätte Markus Lang hier überragende Arbeit geleistet. Ich hatte bei meinen Gesprächen mit den Verantwortlichen aber nie das Gefühl, dass Druck ausgeübt wird oder dass man mich messen will. Ich habe meine Ideen vorgestellt, das hat gepasst und ich kann mich frei entfalten. Wenn von außen Vergleiche kommen, kann ich das nicht ändern. Ich will hier 100 Prozent geben, alles für das Team und den Verein tun.

Wo ähneln sich Ihre taktischen Vorstellungen und wo setzen Sie vielleicht neue Akzente?

Backnang war in der Vorsaison in der Offensive sehr gefährlich. Daran wollen wir anknüpfen, zumal es vorne kaum personelle Veränderungen gab. Hinten müssen wir zwangsläufig einiges verändern, weil Dreiviertel der Viererkette neu sind. Wir müssen andere Laufwege vorgeben, unser Stellungsspiel anpassen. In der Verbandsliga haben sich viele Gegner hinten reingestellt, dadurch stand unsere Kette beim Aufbauspiel extrem hoch. Das wird in der Oberliga nicht jede Woche der Fall sein, die Kette wird vielleicht tiefer stehen.

Haben Sie von Ex-Trainern wie Alexander Zorniger und Norbert Stippel etwas für Ihre Arbeit mit einer Mannschaft mitgenommen?

Von Alexander Zorniger ist vielleicht am meisten hängen geblieben – ich habe ein Jahr mit ihm zusammengespielt, danach war er acht Jahre mein Trainer. Ich habe aber von allen etwas mitgenommen, mir schon als Spieler abends die Inhalte einzelne Trainingseinheiten aufgeschrieben und notiert, was gut ankam. Mittlerweile habe ich es mit den eigenen Erfahrungen angereichert, die ich in den letzten drei Jahren gesammelt habe. Insgesamt versucht man, seinen eigenen Weg zu gehen.

Die Planungen sind – von der Torwart-Position abgesehen – wohl abgeschlossen. Ist der Kader aus Ihrer Sicht oberligatauglich?

Wir sind sehr optimistisch und vertrauen den Jungs, die da sind, absolut. Wir haben viele Spieler, die wir wollten, auch bekommen. Ob der Kader wirklich oberligatauglich ist, wird die Saison zeigen.

Sie haben es schon erwähnt: Aus der bisherigen Viererabwehrkette sind mit Fichter, Jurczyk und Schlotterbeck drei Stammkräfte weg. Wie lange dauert es, bis sich ein neues Quartett gefunden und eingespielt hat?

Es darf nicht lange dauern, wir kriegen keine Zeit in der Oberliga. Wir müssen mit der Kette am 12. August voll da sein, am besten schon im WFV-Pokalspiel eine Woche vorher. Wir werden in einzelnen Einheiten auch nur mit der Kette arbeiten oder uns eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Training treffen, um Feinheiten abzustimmen und ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. Denn das ist die Basis von allem.

Zu den Torhütern: Paul Kruse ist wegen eines USA-Studiums auf dem Absprung, die TSG braucht dringend noch mindestens einen Keeper. Wie weit ist diese Suche gediehen, worauf legen Sie großen Wert?

Wir brauchen einfach einen sehr guten Mann, der uns so viele Punkte wie möglich rettet. Zum modernen Anforderungsprofil zählt eine gute Spieleröffnung, wobei Rauskommen und Mitspielen in der Oberliga vielleicht nicht oberste Priorität hat, weil die Kette wie gesagt etwas tiefer steht. Dann sind eher Stärken auf der Linie und in der Strafraumbeherrschung gefragt. Wir wollen schnellstmöglich eine Lösung, die zu 100 Prozent passt. Ein Schnellschuss bringt nichts, denn das ist eine Position, die extrem wichtig ist.

Statt gegen Laupheim, Zimmern, Berg geht es künftig gegen Reutlingen, Bissingen oder den KSC II. Wie groß ist Ihre Vorfreude?

Riesig. Seit der Spielplan raus ist, begreifen auch die Jungs erst richtig, was sie erreicht haben und gegen wen es geht. Wir müssen Woche für Woche unsere Frechheit und Schnelligkeit zeigen, mit einem Lächeln auflaufen, die 90 Minuten voll auskosten und Gas geben, um das so lange wie möglich zu haben.

Wie wichtig wäre ein guter Start mit den Spielen in Balingen und zu Hause gegen Göppingen, um am Ende drinzubleiben?

Sehr wichtig. Die ersten Begegnungen einer Saison sind für Mannschaften wie Balingen, die eigentlich klarer Favorit sind, immer schwer einzuschätzen. An den ersten Spieltagen suchen sich die Teams noch etwas und die Erfahrung zeigt, dass Überraschungen da immer möglich sind. Davon wollen wir profitieren, aber natürlich hat es das Startprogramm mit Balingen, Göppingen und Nöttingen in sich. Wir können es nicht ändern, nehmen es, wie es kommt, und versuchen, das Beste daraus zu machen.